Die Vorbereitungen fürs Auslandssemester begannen bei mir schon im Oktober bzw. November 2024 damit, dass ich mir Gedanken gemacht habe, wo genau ich hinwill. Für mich stand von Anfang an fest: Es soll in den Norden gehen. Letztendlich habe ich mich dann für Oulu entschieden.
Die Bewerbung lief über das Geo-Studienbüro per formloser E-Mail, in der ich mein Wunschziel sowie Alternativen und das entsprechende Semester angegeben habe. Nach einiger Zeit kamen dann die Bestätigung und die Zugangsdaten fürs MobilityOnline-Portal, über das alles Weitere lief. Insgesamt empfand ich den Bewerbungsprozess als recht simpel. Lediglich das Learning Agreement, das im späteren Prozess ausgefüllt werden musste, war etwas komplizierter. Allerdings stehen Frau Kostov vom International Office sowie Frau Henke jederzeit zur Hilfe zur Verfügung.
Die Einschreibung an der Uni Oulu verlief ebenfalls simpel und zügig und wurde über das SoleMove-Portal abgewickelt. Die Zugangsdaten bekommt man, sobald der Austauschvertrag zwischen den Unis abgeschlossen ist. Nach erfolgreicher Nominierung macht ihr dann euer Online-Learning Agreement.
Eine entsprechende Kursauswahl stand für Geografie rechtzeitig zur Verfügung, sodass man mit genügend Vorlauf seine Kurse zusammensuchen kann.
Bezüglich Versicherungen seid ihr grundsätzlich über eure Krankenkassenkarte versichert, solange sie auch als European Health Insurance Card (EHIC) zählt – das sollte aber, glaube ich, bei fast jeder Krankenkassenkarte der Fall sein. Trotzdem würde ich empfehlen, zusätzlich eine private Reisekrankenversicherung abzuschließen. Denn meiner Erfahrung nach ist das öffentliche Gesundheitssystem zwar gut, kann aber einiges an Zeit in Anspruch nehmen. Mit der privaten Versicherung könnt ihr auch spontan in private Kliniken gehen und werdet dort wirklich sehr gut betreut.
Zusätzlich kann es Sinn machen, eine Hausrat- sowie eine Haftpflichtversicherung zu haben, die Schäden in der Wohnung oder sonstige Schäden absichert.
Apropos Wohnung
Die Vermietung der Wohnheime läuft über PSOAS. Für Austauschstudis sind drei Wohnheime reserviert. Diese liegen an unterschiedlichen Standorten und werden – je nach „Ruf“ – auch unterschiedlich in Sachen Lautstärke beschrieben. Tirolintie 2, in dem ich war, gilt als Party-Wohnheim, in dem es auch mal länger laut bleiben kann. Wer es ruhiger möchte, dem empfehle ich das Yliopisto-Wohnheim – das liegt auch direkt gegenüber der Universität.
PSOAS veranstaltet fürs Herbstsemester Anfang Juni einen „HOMERUN“. Dann wird das Wohnungsportal freigeschaltet und man kann sich sein Zimmer sichern – vorausgesetzt, das Internet spielt mit und man ist schnell genug. Trotzdem nicht in Panik verfallen, denn insgesamt gibt es eigentlich genügend Wohnheimplätze.
Die Wohnungen reichen von 2er-WGs (in so einer war ich) bis hin zu 7er-WGs und im dritten Wohnheim sogar noch mehr. Insgesamt sind die Zimmer solide, ich würde sagen vergleichbar mit deutschen Wohnheimen. Für die meisten Wohnungen müsst ihr auch nichts extra mitbringen, weil Sachen wie Besteck, Geschirr oder Pfannen meistens ausreichend vorhanden sind. Preislich liegen die Zimmer grob zwischen 200 und 400 Euro.
Die Schlüssel fürs Wohnheim bekommt ihr bei eurer Ankunft von eurem Kummi.
Apropos Kummi
Kummis sind so eine Art Tutor*innen, die euch zugeteilt werden und euch den Start erleichtern sollen. Sie stehen euch bei Fragen zur Verfügung und helfen bei den ersten Schritten in Oulu. Die Kontaktdaten eurer Kummis bekommt ihr circa zwei Monate vor Beginn, also genug Zeit, um schon vorab Dinge zu klären.
Der Hauptcampus der Universität liegt im Norden, etwas am Rand der Stadt. Innerhalb der Uni gibt es viele Aufenthaltsräume, zum Beispiel Tellus sowie diverse Cafés, Mensen oder auch Subway.
Die Preise in den Mensen hatten sich zum Herbstsemester 2025 geändert: Ein Gericht kostete entweder 0,69 Euro oder 1,09 Euro. Vegetarische Auswahl gibt es ebenfalls. Man kann sich den Teller schon voll machen, sollte aber natürlich möglichst kein Essen verschwenden. Die Essensqualität ist insgesamt okay-ish, bei dem Preis aber absolut verkraftbar. Außerdem gibt es in zwei Mensen noch einen extra Imbiss, wo man Burger und Pizza für 5,60 Euro bekommt.
Ladet euch unbedingt vorher die App Tudoo runter. Darüber meldet man sich nicht nur für Kurse an, sondern sieht auch die Essenspläne der Mensen – und der Studierendenausweis ist dort hinterlegt, den ihr für Bus und Unisport braucht.
Das Herbstsemester begann Ende August mit der Einführungsveranstaltung, und Anfang September ging dann der Unterricht los. Da meine Kurse aber fast alle Online-Selbstlernkurse waren, hatte ich keinen klassischen Stundenplan. Bis auf einen Kurs waren alle zeitlich flexibel, sprich, es gab eine oder mehrere Aufgaben, die man bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigen musste.
Lediglich der Kurs „Physical Geography of Fennoscandia“ hatte einen festen Zeitplan. Dort gab es insgesamt sechs „Periods“, wobei eine Period zwei Wochen ging. In dieser Zeit musste man jeweils eine größere Aufgabe erledigen.
Insgesamt fand ich die Kurse schon interessant, muss aber sagen, Reines Online- und Selbstlern-Studium ist gewöhnungsbedürftig und mir persönlich auch eher schwergefallen.
Empfehlen kann ich auf jeden Fall „Physical Geography of Fennoscandia“. Außerdem gab es den Kurs „Explore Finnish Nature together“, der für Austauschstudis angeboten wurde. Dabei erkundet man die umliegende Natur und fotografiert und kartografiert Pflanzen und Tiere. Die Plätze sind allerdings auf 20 begrenzt, also schnell sein.
Zusätzlich kann ich den Tandemkurs Finnisch–Deutsch empfehlen. Man bringt einer finnischen Person Deutsch bei und andersrum. Ich fand das eine richtig gute Gelegenheit, Kontakt zu Einheimischen zu knüpfen und mehr über das finnische Leben zu lernen.
Das studentische Leben in Oulu hat mich wahrscheinlich am meisten überrascht. Ich hatte mit „nett“ gerechnet, aber mich erwartete ein richtig lebendiges studentisches Leben mit vielen Traditionen und Veranstaltungen. Besonders zu Beginn des Semesters gab es viele Events, bei denen man schnell andere internationale und finnische Studierende kennenlernen konnte.
Ich durfte auch einige Traditionen kennenlernen, wie zum Beispiel die Overalls der einzelnen Studiengänge, die mit Patches bestickt werden. Ein weiteres Highlight war ein Sitsit, eine traditionell schwedisch-finnische Art Dinnerparty.
Viele studentische Veranstaltungen werden über das Erasmus Student Network (ESN) und weitere Vereine organisiert. Die Infos waren meist auf Englisch verfügbar. Tickets liefen fast immer über kide.app. ESN organisiert außerdem Trips für Erasmus-Studierende. In meinem Semester wurden Fahrten auf die Lofoten (Norwegen), nach Lappland (Finnland/Schweden) und in die baltischen Staaten angeboten.
Ich habe mich für die Lofoten und für schwedisch Lappland entschieden.
Den Lofoten-Trip kann ich auf jeden Fall empfehlen so lange einem 14 Stunden Busfahrt nicht zu viel sind. Die Landschaft und das, was man dort erlebt, machen das aber mehr als wett.
Der schwedisch-Lappland-Trip war insgesamt okay, aber außer der Husky-Schlittenfahrt und dem selbstständigen Feuermachen war der Rest für mich eher langweilig. Von Freunden habe ich allerdings gehört, dass der finnische Lappland-Trip sehr schön sein soll.
Darüber hinaus habe ich privat noch ein paar Kurztrips gemacht:
Ende September bin ich mit einem Mietauto ans Nordkap gefahren. Ich kann den Zeitraum sehr empfehlen, weil man mitten in den herbstlichen Vibes unterwegs ist und die Landschaft einfach atemberaubend aussieht.
Anfang November ging’s nach Ruka. Auch das kann ich empfehlen. Wer Ski fahren will, sollte vermutlich etwas später hin, weil die Pisten zu der Zeit nur vereinzelt geöffnet sind. Zum Wandern ist die Region aber ideal. Ich hatte über GetYourGuide Rentier-Yoga auf einer lokalen Rentierfarm gebucht und kann das wirklich empfehlen: Man kann Rentiere füttern und streicheln, bekommt Einblicke in die Arbeit mit ihnen und hört viele coole Infos und macht dann natürlich Yoga mitten unter Rentieren.
Einen Besuch in Tallinn kann ich ebenfalls empfehlen. Mit Zug und Fähre kommt man von Oulu aus entspannt in einem Tag hin. Besonders zur Weihnachtszeit hat die Stadt mit ihrem kleinen Weihnachtsmarkt und der Deko richtig Charme.
Zum Ende des Semesters war ich noch im Skigebiet Ylläs. Dies ist das größte Skigebiet Finnlands, aber deutlich weniger bekannt als Levi. Dadurch war weniger los und das fand ich richtig angenehm.
Wer nicht großartig wegfahren kann oder will, der kann auch sehr viel in und um Oulu erleben.
Als wichtigste To-Do´s würde ich die nachfolgenden aufzählen:
- Besuch des Nalikari-Beach
- Floating Sauna (Hat bis Mitte Oktober offen)
- Koiteli (Sind Stromschnellen nördlich von Oulu, mit mehreren Campfire-Spots sowie vorhandenem Holz. Sind mit dem Bus zu erreichen)
- Pilpasuo (kleiner Nationalpark süd-östlich von Oulu)
- Billiard Bars in Oulu (kann die North Coast Bar & Billiards empfehlen, dort kann man kostenfrei Darts und Billiard spielen, solange man sich was zu trinken holt)
- Karaoke Bar
- Langlaufen im Winter (Langlaufski kann man sich gratis im Pfandhaus ausleihen. Ebenso wie Ski oder Schlittschuhe. Am besten fragst du dazu deinen Kuumi nach Infos.)
Wichtige Links & Apps, die mir den Aufenthalt erleichtert haben:
- https://www.luontoon.fi/ (Auf dieser Seite findet man Informationen zu den National-Parks, Aussichtspunkten, Wanderrouten und Feuerstellen.)
- https://www.oulu.fi/en/peppi (Peppi, ist das Portal, wo man das Transcript of Records und andere Dokumente herrunterladen kann.)
- Tudoo-App (Die App der Studierenden. Hierrüber geschieht alles, was mit Kursanmeldung zu tun hat. Außerdem findet man in der App alle Infos zur Mensa und den digitalen Studiausweis.)



















