Erfahrungsbericht: Auslandsaufenthalt in Valencia, Spanien
Erfahrungsbericht von Henriette Kleinschmidt

Mit der Nachtfähre kommt man schnell nach Ibiza und ist im Winter nahezu allein auf der Insel. © Henriette Kleinschmidt
Nach der ersten Deadline am 20.12.2021, bis zu der man sich für das Erasmussemester mit Erst- und Zweitwunsch bewerben musste, folgten einige weitere Onboarding-Termine online, bei denen weitere Informationen gestreut wurden. Als dann die Zusage zu Valencia erfolgte, ging es in den nächsten Schritten darum, sich mit dem Online-Portal der Gastuniversität vertraut zu machen und die Module zu wählen (weitere Informationen dazu unter Punkt 3).
Welche weiteren Papiere man benötigte, war jederzeit im Mobility Online Portal einsehbar. Das Portal gibt einen Überblick über alle zu erledigenden bürokratischen Arbeitsschritte vor, während und nach dem Erasmussemester und war überaus hilfreich und übersichtlich. Das wohl wichtigste der Papiere ist das Learning Agreement, welches zwischen der entsendenden Hochschule, der Gasthochschule und der im Ausland studierenden Person geschlossen wird und für welches man die Unterschriften beider Hochschulen benötigte. Dies dauerte seine Zeit, weshalb sich die Organisation bis nach Semesteranfang hinzog und die 1. Rate folglich auch erst danach ausgezahlt wurde. Für mich war es durch einen kleinen finanziellen Puffer nicht weitere problematisch, jedoch kann ich mir vorstellen, dass dieser Fakt für einige meiner Mitstudierenden ein größeres Problem gewesen ist.
Versicherungstechnisch hatte ich nicht viel zu erledigen, da meine Krankenkasse auch im EU-Ausland gilt.
Weitaus nervenaufreibender und kostspieliger gestaltete sich die Wohnungssuche.
Ich hatte mich privat auf die Suche gemacht. Von einem Freund, der bereits ein Jahr vor mir sein Erasmus in Valencia absolviert hatte, habe ich den Kontakt von einem Vermieter bekommen und den Tipp, die Website Idealista zu nutzen. Sie funktioniert im Grunde wie WG-gesucht in Deutschland. Nach einigem Suchen fand ich schließlich ein kleines Zimmer, wofür ich jedoch zusätzlich zur Kaution, die am Ende der Zeit zurückgegeben wird, eine einmalige Kommissionsgebühr zahlen musste. Diese Summe entsprach einer Monatsmiete und ging an den Vermittler der Wohnung. Natürlich ist dies nicht in jeder Wohnung der Fall, doch insbesondere in den Erasmus-WGs, die meist semesterweise neu vermietet werden, sollte damit gerechnet werden. Alles andere lief in meinen Augen fair ab und die Absprachen mit dem Vermittler der Wohnung waren unkompliziert. Für alle, die zwei Semester bleiben, kann es sogar sein, dass die Kommissionsgebühr ganz wegfällt bzw. es auch leichter ist, eine spanischsprachige WG mit Menschen, die schon länger vor Ort leben, zu finden.
Grundsätzlich ist es sinnvoll zu wissen, dass es in Spanien viele Zweck-WGs gibt und weniger interaktive WGs, wie es die meisten aus Deutschland kennen. Zudem suchen eben diese WGs oft Menschen, die länger als nur fünf Monate einziehen wollen. Dies ist verständlich angesichts der Tatsache, dass Valencia die „Erasmus-Hochburg“ ist und jedes Jahr sehr viele ausländische Studierende neuen Wohnraum suchen. Man sollte diese Tatsache bei der Wohnungssuche im Hinterkopf behalten.
Am Ende habe ich für mein 9m² – Zimmer etwa 280€ gezahlt, bin aber später noch einmal umgezogen in eine Wohnung, in der ich ohne Kommissionsgebühr in einem größeren Zimmer mit mehr Licht, hellem Wohnzimmer und Balkon 350€ monatlich gezahlt habe. Es ergeben sich im Laufe der Zeit manchmal also noch andere Möglichkeiten.
Das WG-Leben gestaltete sich in beiden Wohnungen am Ende interaktiver, als ich zunächst geglaubt hatte. Unsere sehr unterschiedlichen Herkünfte und Erfahrungen machten die gemeinsamen Kochabende überaus interessant und lustig.

In dieser internationalen Buchhandlung im Stadtteil El Cabanyal findet sich so manches gutes Buch auch in englischer Sprache. © Henriette Kleinschmidt
Das Lehrangebot war sehr vielfältig, ähnlich wie an der MLU. Für meinen Grado (Bachelor) in Geografie (einsehbar hier) konnte ich mir unter den Modulen des Wintersemesters frei aussuchen, welche ich belegen wollte, da ich schon in einem höheren Fachsemester war.
Die Kurswahl gestaltete sich gar nicht so einfach, da einige der Kurse über zwei Semester liefen, ich aber nur ein Erasmussemester absolvieren wollte. Oder aber wurden Kurse nur auf valenciano, nicht aber auf castellano (das „herkömmliche Spanisch“) angeboten.
Nach der ersten Studienwoche an der UV (Universidad de Valencia) und einigen kleinen nachträglichen Änderungen standen schließlich alle Kurse fest. Die Bestätigung dieser Kurswahl erfolgte gemeinsam mit dem Erasmuskoordinator des Instituts Joan Carlos Membrado – in meinem Fall der Facultad de Geografía e Historia.
Darüber hinaus war der Umgang der Dozierenden mit den Erasmusstudierenden sehr unterschiedlich. Von sehr hilfsbereiten und ermutigenden, bis hin zu sehr anspruchsvollen Lehrenden, die uns Erasmusstudierenden klar vermittelten, dass sie nicht wollen, dass unseretwegen das Niveau des Unterrichts sinkt, war alles dabei. Das klingt zunächst etwas hart, bedenkt man jedoch, dass teilweise fast die Hälfte der Studierenden eines Kurses aus Erasmusstudierenden bestand, ist die Reaktion schon verständlich. Ein gewisses spanisches Sprachniveau ist demnach durchaus hilfreich.
Zur Anerkennung der erbrachten Studienleistungen kann ich nicht viel sagen, da ich zu dem Zeitpunkt, als ich mein Erasmussemester absolvierte, nahezu alle meiner Module für den Bachelor bestanden hatte. Es standen nur noch die Praktika und das Bachelorarbeits-Modul aus. Dementsprechend konnte ich mir keine der in Valencia absolvierten Module anrechnen lassen. Allerdings finde ich diesen Umstand auch nicht weiter schlimm, da ich trotzdem so einiges aus den Kursen vor Ort in Valencia mitnehmen konnte.
Abschließend möchte ich Menschen, die der anfallende Bürokratieaufwand abschreckt, dazu ermutigen, sich dennoch für ein Erasmussemester zu bewerben. Es lohnt sich alle mal! Und es gibt Menschen, die einen in organisatorischen Fragen während des gesamten Zeitraums unterstützen. In diesem Kontext möchte ich mich bei Frau Henke und Frau Kostov von der MLU bedanken, die sich stets mit viel Geduld der bürokratischen Probleme so vieler Studierenden angenommen haben.
Erfahrungsbericht von Mari Ann Stegmaier
Ich habe mich im Dezember 2023 für mein Erasmussemester im Wintersemester 2024/25 beworben und dabei Valencia als Erstwunsch angegeben. Anfang Januar 2024 bekam ich vom Studienbüro Geographie die Rückmeldung, dass ich mit diesem Wunsch eine von sieben Bewerber*innen für vier Plätze bin. Auch mit meinem Zweitwunsch würde ich auf der Warteliste landen. Ich hatte dann zwei Optionen: 1) Ein Bewerbungsformular ausfüllen und weitere Unterlagen einreichen – darunter ein aktueller Notenspiegel sowie Sprachnachweise für Englisch und Spanisch (mindestens Niveau B1). Oder 2) eine andere Partnerhochschule auswählen. Ich habe mich für Option 1 entschieden und alles Notwendige eingereicht.
Ich habe mich sehr gefreut, als mir das Studienbüro dann Mitte Februar mitgeteilt hat, dass sie mich für ein Erasmussemester an der Universität Valencia nominiert haben. Ich hatte fünf Tage Zeit, um zu- oder abzusagen. Ende April wurde meine Nominierung offiziell an die Universität in Valencia (UV) weitergeleitet, und im Mai konnte ich mich dann im Online-Portal der UV registrieren.
Zusätzliche Versicherungen habe ich nicht abgeschlossen.
Ich hatte großes Glück, denn ich habe über eine Freundin, die im Semester vor mir Erasmus in Valencia gemacht hat, den Kontakt zu ihrem Vermieter bekommen. So konnte ich schon im April 2024 meinen Mietvertrag für September unterschreiben. Sie hatte mir die Wohnung empfohlen, deshalb wusste ich auch, dass sie in gutem Zustand ist und der Vermieter zuverlässig ist.
Ich habe monatlich 460 Euro für ein etwa 12 m² großes, möbliertes Zimmer mit Zugang zu einem Balkon in einer 5er-WG gezahlt (inklusive 35 Euro Nebenkosten). Dazu kam eine Kaution von 425 Euro, die ich etwa zwei Monate nach dem Auszug zurückbekommen habe.
Die Wohnung war im Vergleich zu vielen anderen, die ich in Valencia gesehen habe, sehr modern, neu renoviert und hochwertig eingerichtet. Möblierte Zimmer sind in Valencia sehr normal – manchmal mit neuen Möbeln (bei mir war fast alles weiß und neu von IKEA), manchmal eher zusammengewürfelt. Die Küche und die zwei Bäder waren bei mir ebenfalls renoviert und in sehr gutem Zustand.
Für hallesche (und auch für valencianische) Verhältnisse war meine Miete wohl ziemlich hoch, aber für weniger habe ich nichts finden können. In einem Erasmus-Einführungsworkshop haben wir erfahren, dass die Mieten in Valencia – u.a. durch den Zuwachs an internationalen Studierenden – in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Auch meine Freund*innen haben zwischen 400 und 500 Euro pro Monat für ihre WG-Zimmer gezahlt.
Die Wohnung lag in Benimaclet – sehr nah an vielen Uni-Gebäuden und auch an der Geographie-Fakultät. Der Stadtteil gilt historisch gesehen als das Studierendenviertel mit vielen Bars und Restaurants. Weitere beliebte Viertel unter Erasmus-Studierenden sind Cabanyal, Algirós und Russafa.
Häufig suchen die Vermieter*innen die Bewohner*innen in den WGs aus, sodass man wenig Einfluss auf die eigenen Mitbewohner*innen hat. In meinem Fall hat die WG gut zusammengepasst. Bei Freund*innen waren es eher Zweck-WGs, aber das kann man leider nicht gut beeinflussen.
Die Universität Valencia hat uns Erasmus-Studierenden – egal ob im Bachelor oder Master – mitgeteilt, dass wir nur Bachelor-Kurse belegen dürfen. Von der Uni Halle hieß es, dass wir als Master-Studierende in diesem Fall Kurse aus dem 4. Bachelorjahr wählen sollen. (Bachelorprogramme in Spanien dauern z.T. vier Jahre – daher wird das vierte Jahr in Deutschland oft als äquivalent zum Masterniveau angesehen.)
Ich habe nur Kurse aus dem Studiengang Grado en Geografía y Medio Ambiente (B.Sc.) belegt. Die Übersicht der Kurse findet ihr hier: Grado en Geografía y Medio Ambiente. Die Kurse für das 4. Jahr findet ihr unten unter „4º curso“ und die Kurse unter „Asignaturas optativas“ sind ebenfalls für das vierte Studienjahr vorgesehen. Schaut bei der Auswahl darauf, ob die Kurse im Winter- oder Sommersemester stattfinden und in welcher Sprache sie angeboten werden (Valenciano oder Castellano).
Zur Unterstützung bei der Kurswahl haben wir Mitte Juni eine E-Mail von Joan Carles Membrado, dem Erasmus-Koordinator für Geographie an der UV, bekommen (er spricht nur Spanisch). Er ist per Mail (joan.membrado@uv.es) sehr gut zu erreichen.
Insgesamt war ich leider etwas enttäuscht von der Kursauswahl. Viele der Kurse wirkten auf mich recht oberflächlich oder wie Einführungskurse – was sich dann auch im Semester so bestätigt hat. Ich habe mich schließlich für drei Kurse aus „Asignaturas optativas“ entschieden, jeweils mit 6 ECTS:
- 35007 Cambios ambientales: escalas y procesos
- 33812 Turismo y medio ambiente
- 33813 Desarrollo local sostenible
Diese drei Kurse habe ich Ende Juni in meinem Online Learning Agreement in Mobility Online eingetragen. Zusätzlich sollte ich Joan eine PDF mit meiner Kursauswahl per Mail schicken. In der Mail habe ich ihn auch direkt gebeten, meine Auswahl im Online Learning Agreement zu bestätigen – was er dann auch gemacht hat. Es lohnt sich, aktiv nachzufragen, da er wohl von Mobility Online nicht automatisch Benachrichtigungen bekommt und ihr sonst vielleicht länger auf die Bestätigung warten müsst.
Joan hatte uns gebeten, einen Termin für Anfang September mit ihm auszumachen. Da ich keine Sonderwünsche hatte (z. B. Kurse aus anderen Fakultäten), war der Termin sehr kurz. Wer Kurse außerhalb des Geographie-Studiengangs belegen will, muss sich selbst um die Organisation kümmern. Da ich nur Kurse aus dem Grado en Geografía y Medio Ambiente gewählt hatte, lief bei mir alles sehr unkompliziert ab.
Die Universität Valencia hat zum Semesterstart eine große Willkommensveranstaltung für alle Erasmus-Studierenden organisiert. Dort gab es eine Einführung zur Stadt, Wohnungssuche, Sportangeboten usw. Dort konnte man sich auch für 15 Euro eine Karte des ESN (European Student Network) ausstellen lassen, womit man ein paar Rabatte (z.B. für Flixbus) bekommt.
Außerdem hat die Geographie-Fakultät eine eigene Veranstaltung gemacht, bei der es um konkrete Infos zur Kurswahl und zur Fakultät ging (organisiert von Erasmus-Programa Internacional-SICUE, Secretaria Facultat Geografia i Història).
Zusätzlich wurde zu Semesterbeginn ein freiwilliger „Valencia Workshop“ angeboten – eine schöne Einführung ins Leben vor Ort: Wohnen, Essen, Ausgehen, Freizeitangebote und Reisen. Sehr zu empfehlen!
Der Geographie-Erasmus-Koordinator Joan hat außerdem eine Stadtführung organisiert, bei der er uns viel über Geschichte und Aufbau der Stadt erzählt hat – das war auch eine gute Gelegenheit, die anderen Geographie-Erasmus-Studis kennenzulernen.
Wenn ihr einen Sprachkurs am Centre d’Idiomes macht, kann ich euch auch das Language Exchanges and Tastallengües Welcome Event empfehlen. Es fand in einer schönen Location in der Innenstadt statt und drehte sich um Sprach- und Kulturaustausch.
Von Kommiliton*innen, die vorher an der UV Erasmus gemacht haben, hatte ich schon gehört, dass die Qualität der Lehre nicht überragend ist. Insgesamt waren die Kurse, die ich belegt habe, inhaltlich okay, aber ich habe leider nicht viel Neues gelernt – abgesehen von Soft- und Sprachenskills (dazu weiter unten mehr).
Typisch für die Uni ist viel Frontalunterricht und eine sehr verschulte Struktur: viele kleine Abgaben, die oft Voraussetzung für die Prüfungsleistung sind. In jedem Kurs bestand die Prüfungsleistung aus einer großen Gruppenarbeit, mindestens einer Präsentation und einer Klausur. Der Unterricht lief von Mitte September bis Mitte Dezember, im Januar fanden dann nur noch die Klausuren statt.
Mein erster Kurs war aus der physischen Geographie. Inhaltlich ging es um die Entstehungsgeschichte der Erde, die verschiedene geologische Zeitalter und die Entwicklung des Menschen.
Der Dozent war Alejandro Pérez Cueva und er hatte ein etwas schwer durchschaubares Punktesystem für seinen Kurs entwickelt. Man konnte durch verschiedene Aktivitäten (Präsentationen, Film-Reviews, kurze Aufsätze, Midterm-Klausuren) Punkte sammeln, und hatte man genug Punkte zum Bestehen des Kurses erreicht, musste man die Abschlussklausur nicht mehr schreiben.
Eine Exkursion war auch Teil des Kurses – allerdings war sie virtuell über Google Earth, was eher skurril war und natürlich nicht mit einer echten Exkursion mithalten konnte.
Hier ging es um die Wechselwirkungen zwischen Tourismus und Umwelt – mit Blick auf ökologische, wirtschaftliche und soziale Faktoren. Umweltkonzepte wie nachhaltige Entwicklung oder ökologischer Fußabdruck wurden ebenfalls behandelt.
Der Dozent Félix Fajardo Magraner war sehr engagiert und hat gute, verständliche Vorlesungen gehalten. Eine Prüfungsleistung war die Analyse eines touristischen Zielorts in der Comunidad Valenciana in Gruppenarbeit, was sehr viel Arbeit über mehrere Wochen war. Unser Bericht hatte am Ende über 200 Seiten. Inhaltlich war es interessant, aber eher auf Schulprojekt-Niveau. Da Félix den Kurs schon einige Jahre durchführt, konnte er uns aber genau sagen, was er von uns erwartet, und hat uns sehr klare Hilfestellungen geben.
Die Klausur bestand aus ca. 15 Multiple-Choice-Fragen sowie einer Textaufgabe, in der man die positiven und negativen Effekte des Tourismus in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht beschreiben sollte. Diese Themen hatten wir im Kurs intensiv besprochen, und Félix hatte vorab angedeutet, dass so eine Frage drankommen würde – man konnte sich also gut vorbereiten. Es gab außerdem ein paar kleinere Studienleistungen wie Essays, Diskussionen und Analysen.
In diesem Kurs ging es um Grundlagen nachhaltiger und lokaler Entwicklung und politische Instrumente zur Umsetzung entsprechender Strategien. Der Dozent war Jorge Hermosilla Pla.
Auch hier gab es wieder eine Gruppenarbeit: Wir sollten die Ressourcen einer Kleinstadt in der Comunidad Valenciana analysieren. Zusätzlich zu einer quantitativen Analyse von verschiedenem Kapital (produktives, natürliches, intellektuelles, kulturelles und soziales) haben wir Interviews mit Verwaltung und Betrieben geführt, um etwas über Netzwerke und Innovationen vor Ort zu erfahren. Auch dieses Projekt war sehr aufwändig, und hat uns mehrere Wochen begleitet. Von Jorge gab es z.T. sehr unklare Anweisungen und wir mussten uns selbst viel erschließen.
Die Abschlussklausur war eine einfache Multiple-Choice-Prüfung, die gut machbar war, wenn man die Vorlesungen vorher nochmal durchgegangen ist.
Eine Exkursion war auch geplant, aber sie musste wegen der Überschwemmungen leider abgesagt werden.
Am Anfang war ich vom Spanisch in der Uni ziemlich überfordert. Nach ein paar Wochen habe ich die Dozierenden aber ganz gut verstanden. Viele haben ihre Vorlesungsfolien vorab hochgeladen, was sehr hilfreich war, denn so konnte ich einiges vorher übersetzen.
Hausarbeiten und Abgaben habe ich oft erst auf Deutsch geschrieben und dann ins Spanische übersetzt, einfach um schneller arbeiten zu können. Bei Präsentationen (ich musste ca. 4-5 in Gruppen halten) habe ich mir vorher immer genau überlegt, was ich sagen will, und den Text vorher eingeübt. Im Deutschen kann ich bei Vorträgen gut improvisieren, aber auf Spanisch war das schwieriger, denn da haben mir oft die passenden Wörter gefehlt oder ich war zu nervös.
Die Klausuren waren überraschend einfach. In jedem Kurs gab es ein paar Multiple-Choice-Fragen und eine oder zwei Textaufgaben. Nach ein paar Monaten mit der Sprache war das gut machbar, und man durfte auch ein Lexikon mitnehmen.
Ich wollte auf jeden Fall zusätzlich zu den Geographie-Kursen einen Spanischkurs belegen. Ich habe mich für einen B1-Kurs am Centre d’Idiomes de la Universitat de València entschieden. Zwar hatte ich schon mal einen B1-Kurs gemacht, aber mir wurde gesagt, dass das Niveau dort deutlich höher sei als in Deutschland – was auch gestimmt hat. Rückblickend bin ich sehr froh, dass ich nochmal B1 gewählt habe, um meine Sprachkenntnisse und vor allem die Grammatik zu festigen.
Der Kurs lief von Mitte September bis Mitte Januar, 2-mal pro Woche je 2 Stunden (man kann wählen, ob morgens, mittags oder abends). Er war leider nicht günstig. Für Erasmus-Studierende hat der Kurs im Wintersemester 2024/25 192 Euro gekostet.
Hier findet ihr die Kurse: Cursos d’Espanyol
Man konnte sich ab Ende Juli anmelden. Es ist kein Problem, falls das Learning Agreement bis dahin noch nicht fertig ist, denn die Anmeldung für die Sprachkurse hängt nicht davon ab. Wichtig ist nur, dass man seine Uni-Kurszeiten kennt, um Überschneidungen zu vermeiden. Es gab aber genügend Plätze. (Für das Sommersemester kann man sich wohl ab Dezember anmelden.)
Für mich war der Sprachkurs sehr zeitintensiv, da wir immer Hausaufgaben bekamen (jeweils ca. 1–2 Stunden, 2-mal pro Woche). Freund*innen von mir hatten in ihren Kursen dagegen kaum Hausaufgaben.
Mein Lehrer war Jaume Brines Gandía, und ich würde ihn sehr empfehlen. Er hat den Unterricht sehr lustig und motivierend gestaltet.
Ich hatte schon alle nötigen Credits für meinen Master gesammelt, bevor ich ins Erasmus-Semester gestartet bin. Hätte ich bessere Noten in Valencia als in Halle gehabt, hätte ich mir die Valencia-Noten anrechnen lassen können – aber das war nicht der Fall. Deshalb habe ich mich gegen eine Anrechnung der Kurse entschieden.
Insgesamt war das Erasmus-Semester großartig. Auch wenn ich fachlich nicht besonders viel Neues gelernt habe, haben sich meine Spanischkenntnisse sehr verbessert, und vor allem habe ich viele großartige Menschen kennengelernt. Ich habe mich vor allem mit anderen Erasmus-Studis angefreundet – das war zwar erwartbar, hat mich aber keineswegs gestört.
Valencia war definitiv eine gute Entscheidung. Die Uni ist sehr auf internationale Studierende ausgerichtet – sie hat die meisten Erasmus-Studierenden Europas, was Vorteile hat, aber auch bedeutet, dass man keine persönliche Betreuung bekommt. Die Stadt an sich ist unglaublich vielfältig. Meer, Bars, Parks, Kultur – es gibt viel zu entdecken.
Die Überschwemmungen im November 2024 waren natürlich heftig und haben uns alle stark betroffen gemacht. Viele Menschen in der Umgebung Valencias sind dabei ums Leben gekommen, und die Stadt war für einige Zeit im Ausnahmezustand. Der Universitätsbetrieb wurde für ein paar Tage ausgesetzt, und anschließend hatten wir für etwa einen Monat Online-Unterricht – das hat mich sehr an die Corona-Zeit erinnert. Ich habe zusammen mit Freund*innen in den betroffenen Gebieten und in den Versorgungsstrukturen geholfen, und es hat sich gut angefühlt, mit anpacken zu können und sich zu engagieren. Auch wenn wir persönlich nicht direkt betroffen waren, hat uns die Situation sehr mitgenommen.
Trotz allem blicke ich mit großer Dankbarkeit auf diese Monate zurück.





