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Auslandsstudium Erfahrungsberichte Concepción, Chile (Studium Promos)

Erfahrungsbericht: Auslandssemester in Chile

Mein Auslandssemester habe ich von August 2025 bis Dezember 2025 an der Universidad de Concepción (UdeC) in Chile verbracht und habe dort an der Faculdad de Química und dem Departamento Ciencias de la Tierra Geología studiert.

Vorbereitung

Die Vorbereitung war ein Auf und Ab der Gefühle. Im März habe ich die Entscheidung getroffen nach Chile zu gehen, das war schon mal die erste Hürde. Da ich die erste Studentin der Universität Halle bin, die an die UdeC gegangen ist, musste ich einiges selbst in die Wege leiten und konnte mich nicht auf bereits bestehende Kontakte verlassen. Dabei wurde ich jedoch gut vom International Office unterstützt, sodass die Bewerbung rechtzeitig abgeschickt werden konnte. Anschließend trat allerdings das nächste Problem auf: Die Zulassungsbescheide der Universität in Chile kamen erst einen Monat vor der Abreise, sodass ich lange nicht wusste, ob das Auslandssemester tatsächlich stattfinden würde. Entsprechend musste ich die Flüge sehr kurzfristig buchen und mein Visum relativ spät beantragen. Schlussendlich hat dann aber alles geklappt.

Die Bewerbung für das PROMOS-Stipendium hingegen, war deutlich einfacher. Nachdem ich alle geforderten Unterlagen abgesendet habe, kam im Juli die Zusage, dass ich 3 Monate lang gefördert werde, darüber war ich überglücklich.

Sprachkenntnisse

Zum Glück verfügte ich durch einen früheren Aufenthalt in Südamerika bereits über recht solide Spanischkenntnisse. Auch wenn diese etwas eingerostet waren, kam ich schnell wieder hinein und hatte meist keine größeren Schwierigkeiten. Dennoch kann ich auf jeden Fall empfehlen, mindestens über ein fortgeschrittenes B1-Niveau zu verfügen, wenn nicht sogar über B2, da die Vorlesungen und zahlreichen Tests sonst sehr anstrengend sind. Das chilenische Spanisch ist außerdem besonders schwer, ich habe am Anfang fast gar nichts verstanden. Es wird sehr schnell geredet, viel genuschelt und es gibt zahlreiche Wörter, die nur in Chile existieren, aber daran gewöhnt man sich mit der Zeit. 🙂

Wohnen und Leben

Chile ist im Vergleich zu anderen lateinamerikanischen Ländern eher teuer. Für unsere WG-Zimmer oder AirBnB-Zimmer zahlten wir zwischen 250 und 350 €. Auch die Preise im Supermarkt sind mit denen in Deutschland vergleichbar. Deutlich günstiger hingegen sind Obst und Gemüse von Straßenständen sowie Dienstleistungen wie Uber oder Friseurbesuche. Finanziert habe ich das Semester durch das PROMOS-Stipendium und eigene Ersparnisse. Zusätzlich erhielt ich mitten während meines Auslandssemesters die Bewilligung für das Deutschlandstipendium, wodurch ich finanziell gut abgesichert war.

Vor Ort erhielt ich durch das DRI (Dirección de Relaciones Internacionales) gute Unterstützung bei allen organisatorischen Fragen. Zudem standen chilenische Studierende (OFIS) den internationalen Studierenden jederzeit hilfsbereit zur Seite. Mein WG-Zimmer fand ich über eine chilenische Mitstudentin; die ersten zwei Wochen wohnte ich in einem AirBnB, um vor Ort in Ruhe nach einer passenden Unterkunft suchen zu können. Wir waren insgesamt über 140 internationale Studierende aus über 10 Ländern, davon auch ca. 12 Deutsche. Wenn sich mal doch ein Problem auftat, dass ich lieber in Deutsch bequatschen wollte, hatte ich immer jemanden zur Seite.

Die Stadt Concepción kann ich sehr empfehlen. Sie liegt an der Küste, etwa sechs Stunden südlich von Santiago de Chile, und hat rund 250.000 Einwohner*innen. Mit dem Ballungsraum sind es knapp eine Million, was man im Stadtzentrum jedoch kaum merkt. Concepción ist nicht sehr touristisch, zeichnet sich aber durch zahlreiche Universitäten aus, was für viele junge Menschen in der Stadt sorgt. Entsprechend vielfältig ist das Angebot an Bars, Clubs, Sport- und Kulturveranstaltungen, das wir auch gut genutzt haben. Aufgrund mehrerer schwerer Erdbeben, zuletzt 2010, gibt es in Concepción nur wenige ältere Gebäude, und die Innenstadt ist nicht die schönste. Zum Leben war die Stadt jedoch wirklich ideal. Zum nächstgelegenen schönen Strand benötigt man etwa eine Stunde mit dem Bus, an der Küste kann man auch zahlreiche Seelöwen und Pinguine beobachten. Direkt hinter dem Universitätscampus – der übrigens ebenfalls nahe am Zentrum liegt – beginnen bewaldete Hügel, die sich hervorragend zum Spazierengehen eignen. Zudem ist die Stadt gut durch Busverbindungen nach Norden und Süden angebunden, sodass sich Wochenendausflüge problemlos organisieren lassen.

Im September finden in Chile die Feierlichkeiten rund um den Unabhängigkeitstag statt, und das ganze Land befindet sich dann im Ausnahmezustand. Dies miterleben zu dürfen, war wirklich beeindruckend. Überall wurde der Nationaltanz getanzt, den auch wir lernen durften, und das typische Getränk dieses Festes haben wir ebenfalls einige Male probiert. In der Woche um den 18.09. findet zudem kein regulärer Universitätsbetrieb statt, da nahezu alle Menschen mit Feiern beschäftigt sind.

Gastuniversität und Kurswahl

Während meines Aufenthalts studierte ich im fünften Jahr Geologie (Bachelor), obwohl ich in Deutschland einen Master in Angewandten Geowissenschaften absolviere. Dies liegt vor allem daran, dass der Bachelorstudiengang in Chile deutlich länger ist (5,5 Jahre) und der Master in Geologie berufsbegleitend angeboten wird, was für mich nicht geeignet war. Zusätzlich nahm ich jedoch an einem Blockseminar des Masterstudiengangs teil.

Die Universität selbst ist großartig, insbesondere der Campus. Mit einer Lagune und weitläufigen Grünflächen wirkt er eher wie ein öffentlicher Park als wie eine Universität, und auch in unserer Freizeit verbrachten wir dort viel Zeit. Die Studierenden sind in festen Klassen organisiert und belegen – abgesehen von einigen Wahlkursen – das gesamte Jahr über gemeinsam dieselben Kurse. Dadurch fällt es leichter, Kontakte zu knüpfen und sich schnell als Teil der Gruppe zu fühlen. Ich belegte zwei Kurse im fünften Jahr, einen Kurs im vierten Jahr sowie das Blockseminar aus dem Master, was insgesamt 27 ECTS entsprach. Das war auf jeden Fall mehr als ausreichend und bedeutete eine hohe Arbeitsbelastung.

Der größte Unterschied zum deutschen Universitätssystem besteht darin, dass die Leistungen nicht überwiegend am Ende des Semesters erbracht werden. Stattdessen gab es pro Kurs zahlreiche Abgaben aus Praktika, Eingangstests, Präsentationen, Klausuren und Geländeberichte – alles verteilt über das gesamte Semester. Dadurch bin ich nun bereits Mitte Dezember vollständig fertig, hatte jedoch eines der stressigsten Semester überhaupt. Die Sprache machte es nicht einfacher, und zeitweise verbrachte ich mehr Zeit damit, Vokabeln zu lernen, als mich mit den eigentlichen Inhalten auseinanderzusetzen. Damit hatte ich im Vorfeld nicht gerechnet und war überrascht, wie viel Zeit die Universität in Anspruch nahm und wie wenig Raum für andere Aktivitäten blieb.

Besonders bereichernd waren die Exkursionen und Geländearbeiten, die ich mit dem fünften Jahr absolvierte. Im Rahmen des Kurses „Vulkanologie“ verbrachten wir fünf Tage in der Region Villarrica und arbeiteten intensiv im Gelände. Diese Exkursionen waren fachlich sehr lehrreich, zogen jedoch auch arbeitsintensive Protokolle und Präsentationen nach sich. Insgesamt habe ich sehr viel Zeit und Energie in mein Studium investiert, dabei jedoch auch enorm viel gelernt.

Fazit

Während des Semesters blieb mir allerdings kaum Zeit, weitere Teile Chiles kennenzulernen. Visumsbedingt musste ich Chile zweimal verlassen und nach Argentinien reisen, hielt mich dort jedoch jeweils nur kurz auf. Aus diesem Grund entschied ich mich während meines Aufenthalts, nicht direkt nach dem Semester und noch vor Weihnachten nach Deutschland zurückzufliegen, sondern länger zu bleiben und die Gelegenheit zu nutzen, da ich mich bereits am anderen Ende der Welt befand. Über die Weihnachtszeit wurde ich von einer Freundin zu ihrer Familie eingeladen, und ich bin sehr gespannt darauf, die Feiertage in Chile zu verbringen und zu erleben, wie Weihnachten dort gefeiert wird.

Alles in allem bin ich sehr froh, mein Auslandssemester in Concepción verbracht zu haben. Ich habe sowohl fachlich als auch persönlich viel gelernt und würde mich jederzeit wieder für die Universidad de Concepción entscheiden. Das Studium auf Spanisch stellte eine Herausforderung dar, war jedoch eine Erfahrung, die sich mit etwas Anstrengung gut meistern lässt. Ich bin sehr überrascht, wie schnell es schon wieder vorbei ist. Es fühlt sich an, als wäre ich gerade erst angekommen und hätte mich richtig eingelebt – und schon ist die Zeit an der Uni vorüber.

Johanna Mari

johanna.mari@student.uni-halle.de